Debate goes Europe

Juli 19th, 2010 by Wolfgang Goede

Die TELI-Wissenschafts-Debatte war Thema auf dem diesjährigen Euroscience Open Forum, kurz ESOF 2010 in Turin. Auf dem Programm der europäischen Wissenschaftskonferenz stand ein Workshop mit dem Titel: „The Missing Mediator“, organisiert vom Verband der europäischen Wissenschaftsjournalisten EUSJA. Die Veranstaltung ergründete die geschichtlichen und philosophischen Grundlagen der Wissenschaftsdebatte, berichtete über ihre Erfolge in den letzten Jahren, richtete den Blick nach vorne und forderte: Einführung einer europaweiten Debatte über die wichtigen Themen der Wissenschaft.

Wichtigster Redner und Stargast war Shawn Otto aus den USA. Der Journalist und Filmemacher hatte im letzten Präsidentschaftswahlkampf die US Science Debate 2008 mitbegründet, um Read the rest of this entry »

Schreib-Tipps für Profis vom Professor

Juni 19th, 2010 by Wolfgang Goede

Der US-Soziologe Neil J. Smelser gilt als exzellenter Sozialwissenschaftler, forscherisch wie _auch_ schreiberisch. Wie das?, fragt sich jeder Wissenschaftsjournalist. Frustige Stunden laufen vor seinem inneren Auge ab, in denen er um die Aussagen inhaltlich seichter, sprachlich dafür um so aufgebauschterere Forschungsarbeiten rang. Die WZB Mitteilungen haben den emeritierten Stanford-Professor über Stilkunst befragt. Von den Antworten könnte manch altgedienter Journalist und Redakteur noch etwas lernen: Read the rest of this entry »

Journalisten — multifunktionale Verfüller von Zeitungs- und Web-Seiten?

Juni 14th, 2010 by Wolfgang Goede

Heribert Prantl, ehemaliger Staatsanwalt und streitbarer leitender Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung, klärt mit der ihm eigenen intellektuellen Schärfe. Über die Aufgabe des Journalisten sagt er Folgendes:

Die Presse hat ihre Aufgabe, “Moderator und Motor für Veränderungen zu sein” — Moderator, auch im Sinne der TELI Wissenschafts-Debatte. “Pressefreiheit ist nicht die Freiheit, Redaktionen durch Zeitarbeitsbüros zu ersetzen”, warnt der SZ-Redakteur. “Es besteht die Gefahr, dass der deutsche Journalismus verflacht und verdummt, weil der Renditedruck steigt; weil an die Stelle von sach- und fachkundigen Journalisten Produktionsassistenten für Multimedia gesetzt werden, wieselflinke Generalisten, die von allem wenig und von nichts richtig etwas verstehen.” Aus dem Journalisten werde dann ein “multifunktionaler Verfüller von Zeitungs- und Webseiten”.

Grundsätzlich begrüßt Prantl die neuen Möglichkeiten der Informationsverbreitung durch das Web. “Noch nie hatten Journalisten ein größeres Publikum als nach der digitalen Revolution”, schreibt er. Noch nie war Journalismus weltweit zugänglich. Die Informationsfülle verlange aber nach einem orientierenden und aufklärenden Journalismus. Er vergleicht den Zustand mit der “Kommunikationsrevolution” von 1848/49, als die Zeitungen buchstäblich wie Pilze aus dem Boden schossen.

“Mich erinnern die Blogger von heute an die politisierten Bürger” der damaligen Zeit, sagt Prantl und resümiert: “Blogs sind mehr Demokratie.” Solle da wirklich der etablierte Journalismus die Nase hochziehen, so wie es vor 160 Jahren die etablierten fürstlichen Herrschaften und die monarchischen Potentaten getan haben?

Wie gehen wir damit im Wissenschaftsjournalismus um?

Quelle: Blätter für deutsche und internationale Politik

Wissenschaftsdebatte 2.0

Juni 12th, 2010 by Alex Gerber

Wie gefährlich ist tatsächlich die Konzentration von „Bisphenol-A“ in Babysaugern? Was weiß man wirklich darüber, wann Vulkanasche für Flugzeugtriebwerke gefährlich wird? Welche Evidenzen haben wir dafür, dass Spekulanten auf dem Finanzmarkt die Währungskrise in der EU wirklich mit angeheizt waren – und nicht bloß „Überbringer schlechter Nachrichten“ waren, durch die das Ausmaß staatlicher Misswirtschaft in den EU-Ländern erst so dramatisch sichtbar wurde?

Die ehrliche Antwort auf viele solcher Fragen lautet: Read the rest of this entry »

Guter Journalismus kostet Geld

Juni 8th, 2010 by Wolfgang Goede

Wie retten wir den Journalismus — mit kostenpflichtigen Online-Angeboten. Diesen Weg geht die seit 225 Jahren in London erscheinende Times. Demnächst müssen die User zwei Pfund pro Woche zahlen. Kritiker prophezeien, dass die Online-Gemeinde auf das große Gratis-Angebot im Netz zurückgreifen wird.

In der Zeit (2.6.10) verteidigt Chefredakteur James Harding die Maßnahme. Darin sagt er, dass das größte Risiko für Qualitätsjournalismus darin besteht, die Leistungen zu verschenken. “Da kann ich nur sagen. Viel Glück! Denn das wird nicht funktionieren”, so Harding.

Die Kostenpflichtigkeit des Onlineangebots der “Times” sei verglichen damit das geringere Risiko. Die Umstellung sei ein langwieriger und langsamer Prozess. “Während wir voranschreiten, werden mehr und mehr Zeitungen herausfinden, dass das Verschenkmodell nicht funktioniert” — aber so richtig überzeugende Argumente nennt er nicht.

Wieviel Vertrauen zerstört die Missbrauchsdebatte?

Juni 1st, 2010 by Wolfgang Goede

Mit diesem Beitrag möchten wir einen Verwandten, das Debattenmagazin NovoArgumente vorstellen. In Print und Online gibt es Anstöße zur Auseinandersetzung mit den brennenden Themen der Zeit. Es fragt nach positiven Visionen für die Zukunft und ruft dazu auf, einmal nicht automatisch von der drohenden Apokalypse auszugehen, sondern über Lösungen nachzudenken. Die aktuelle Ausgabe Nr. 106 5-6 2010 behandelt den Themenkomplex “Wachstum ohne Grenzen”, dazu die Online-Debatte “Missbrauch als Epidemie”, die der Auseinandersetzung ein ganz neues Licht aufsetzt.

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“Wir sind Leuchttürme der Orientierung”

Mai 25th, 2010 by Wolfgang Goede

Mit dem Pfingstwochenende beginnt die sommerliche Urlaubszeit. Alles ist ausgeflogen, deshalb heute eine kleine Nabelschau über Entwicklungen im Wissen(schaft)s-Journalismus.

Bemerkenswert das Interview im Spiegel mit dem Chefredakteur der “Washington Post”, das detektiv-investigative Blatt, welches US-Präsident Nixon zu Fall brachte. Print wird überleben, wenn wir Kontext liefern, prognostiziert Marcus Brauchli: “Perspektive, Kommentare. Lange investigative Geschichten. Eben Texte, die sonst nirgendwo stehen … Die Leute suchen etablierte Leuchttürme, an denen sie sich orientieren können.”
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EU-Konferenz zur Wissenschaftskommunikation #2

Mai 19th, 2010 by Hajo Neubert

Hier ein Rückblick auf das “Media for Science Forum” am 12. und 13. Mai 2010 in Madrid:

http://www.ipmsg.ch/~wp_esociety/?p=591

Und hier die Tweets der Twitter-Diskussionen unter dem Tag “#mfsf”:

http://search.twitter.com/search?lang=all&q=&tag=mfsf

oder als PDF:

http://www.ipmsg.ch/~wp_esociety/wp-content/uploads/2010/05/Tweets_mfsf.pdf

Schüler schreiben Science fiction Stories – ein Beitrag zur Nano-Debatte

Mai 16th, 2010 by Wolfgang Goede

Das Deutsche Museum ist in den letzten Jahren immer wieder mit Debatten über die Nanotechnologie an die Öffentlichkeit gegangen. Am letzten Samstag wurde sogar von Schülern geschriebene Sciencefiction zur Lesung gebracht. Unter den Zuhörern waren Besucher des Kirchentags in München, die freien Eintritt im Museum hatten.

Genau solche Aktionen ermutigt der Wissenschaftsrat der EU. Dessen Beitrag “Understanding Public Debate on Nanotechnologies” beschreibt, Read the rest of this entry »

From Peer Review to Crowd Review

Mai 12th, 2010 by Alex Gerber

(auf internationationaler Konferenz — deshalb heute mal auf Englisch)

Let me share a few points with you that I had the opportunity, today, to make during a presentation and panel at the EU “Media for Science Forum 2010” about public “science debates” like the one during the Obama campaign: In the run-up to the US presidential elections, researchers analysed 171 TV interviews with the candidates, amounting to 2975 questions. Only 6 of those dealt with “climate change” (and 3 with “UFO”s). This was one of major „reasons why“ it came to the “science debate” – Read the rest of this entry »