Der Science Slam - auch eine Art der Debatte

März 7th, 2010 by Wolfgang Goede

Die Debatte und die Auseinandersetzung mit der Wissenschaft gehen neue Wege:

Vor einigen Jahren boomten die Debattierclubs an den Universitäten. In ihnen zerlegten studentische Debattierer ein Thema nach allen Regeln der Rhethorik in Pro und Contra. Mit der Eleganz ihrer Argumente und Schlagfertigkeit versuchten sie beim Publikum zu punkten. Die Mutter der Idee waren die oft sehr geistvollen Kontroversen im britischen Parlament.

Dann kam die künstlerische Form als weitere Darstellungsform hinzu. Im Poetry Slam treten Menschen gegeneinander an, die ihre Botschaft in eine dichterische Form kleiden. Daraus ist jetzt der Science Slam entstanden. Nachwuchswissenschaftler und Forscher stellen ihr Wissensgebiet als ein Stück Unterhaltung ihrem Publikum vor.

Unlängst gab es in Berlin den ersten Wissenschaftswettbewerb dieser Art. Ein Wegbereiter ist das Haus der Wissenschaft in Braunschweig. Dessen Science Slams lassen sich jetzt auch bei Youtube betrachten. Das ist nicht mehr die klassische Debatte, erfordert aber sehr viel Kreativität und kommt beim Publikum hervorragend an.

Könnten diese Elemente der wissenschaftlichen Debatte frisches Blut einflößen - wer schweißt daraus neue Konzepte zusammen und könnte die TELI-Wissenschafts-Debatte davon profitieren?

Forscher übernehmen immer mehr die Funktion der Wissenschaftsjournalisten

Februar 28th, 2010 by Wolfgang Goede

Die Kommunikation der Forscher, Wissenschaftsjournalisten und “Social Communities” vermischt sich immer mehr. In einem Interview mit dem Wissenschaftsdienst des Österreichischen Rundfunks gibt der Harvard-Mediziner Ijad Madisch eine neue elektronische Plattform bekannt: Sciencefeed.

Damit sollen neueste Erkenntnisse aus der Forschung und Neuigkeiten von wissenschaftlichen Tagungen sofort um den Erdball gebeamt werden. Dieses Microblogging begnügt sich mit 420 Zeichen, an die sich Dateien, Bilder, Links und Publikationen anhängen lassen.

Imposant: Publikationen, die vor ein paar Jahren noch Monate brauchten, um das Licht der Fachöffentlichkeit zu erblicken, lassen sich mit Sciencefeed im Sekundenrhythmus herausschießen — für jedermann rezipierbar!

Auf die Frage, wie sich das mit dem Wunsch um Geheimhaltung in der Wissenschaft vertrage, antwortet der Sciencefeed-Mitbegründer Madisch: “Ich glaube, dass … das die Möglichkeit eröffnet, Wissenschaft offener zu gestalten.”

Das ist das, was wir uns alle wünschen — aber eine weitere ureigene Aufgabe des Wissenschaftsjournalismus geht hier verloren.

Die Frage ist, womit wird sich die Branche in Zukunft beschäftigen?

Danke, Walter, für den Tipp und den Link!

Ersetzen Forscher den Wissenschafts-Journalisten?

Februar 21st, 2010 by Wolfgang Goede

Unter der Rubrik “Debatte” stellt der Evangelische Pressedienst epd die Zukunft der Medien auf den Prüfstand: Müssen wir in Zukunft für die Inhalte im Netz bezahlen?

Der Springer-Verlag hat seit Ende des Jahres für einige seiner Medien den “Paid Content”-Status eingeführt und dafür zweistellige Verluste bei den Click-Zahlen kassiert. Auch die New York Times, fast bankrotter Branchenführer in den Print-Medien, erhofft sich von Zahlmodellen eine Galgenfrist. Andere Verlage stehen mit Gewehr bei Fuß, jederzeit bereit, auf neue profitable Geschäftsmodelle aufzuspringen, um das traumatische Absturzjahr 2009 aus den Büchern zu radieren.

Die Frage: Wer garantiert den Qualitätsjournalismus, der so unverzichtbar für die gesellschaftliche Auseinandersetzung, das Funktionieren und den Fortbestand der Demokratie ist: Die Verlage oder das Netz? Schreiben Erstere, überspitzt gesagt, die Wikipedia nur noch ab, tummeln sich in Letzterem “Webkommunisten” (Springer-Döpfner) und “tapsige Laien-Journalisten” (WAZ-Hombach) — im Wissenschaftsjournalismus vielleicht nur noch Forscher mit einer schreiberischen Ader und finanziell gut betuchte Wissenschafts-Organisationen, die beide keinem gesellschaftlichem Auftrag mehr folgen, sondern nur noch Hofberichtserstattung leisten können?

Fazit des epd-Beitrag: Die Verlage müssen Flagge zeigen und durch einen neuen Qualitätsjournalismus im Netz ihre Kunden überzeugen, für den diese auch bereit sind, Geld hinzublättern. Nur: Sie müssen sich entscheiden, entsprechende Modelle entwickeln, damit punkten oder abdanken. “Shit, or get off the pott!”, ruft der Journalismusprofessor Jeff Jarvis den zaudernden Verlagen zu.

Gut gebrüllt, Protestanten! — aber warum aber sucht man den Artikel “Mehrwert bieten” (außer dem Hinweis darauf) vergebens im Netz?

Danke, Walter, für den Tipp — mehr Debatte bei der TELI-Wissenschafts-Debatte, aus Obenstehendem abgeleitet: Werden künftig Forscher und Wissenschafts-Organisationen den Journalisten ersetzen?

Sind Wissenschaftler die besseren Journalisten?

Februar 13th, 2010 by Wolfgang Goede

Wer braucht noch Wissenschaftsjournalisten? Diese Frage ist angesichts der Erosionserscheinungen im Journalismus in der letzten Zeit immer wieder gestellt worden, auch auf der Ebene der europäischen Wissenschaftsjournalisten EUSJA. Präsident Hajo Neubert hat dazu recherchiert und im EuroBarometer 2007 Antworten gefunden, die bestimmt auch heute noch gelten.

“Die Mehrheit der EU Bevölkerung möchte, dass Forscher (52 Prozent) wissenschaftliche Information vermitteln, nur 14 Prozent fühlen sich bei Journalisten dabei gut aufgehoben. Ein Fünftel der Befragten könnte sich vorstellen, dass Forscher und Journalisten gemeinsam als Informationsvermittler auftreten.

Schweden, Dänen, Franzosen, Niederländer und Belgier sind am interessiertesten an Wissenschaft (71 bis 100 Prozent). Es folgen Finnen, Italiener, Griechen (61 bis 70 Prozent). Das geringste Interesse haben Bulgaren.

Die Themen Medizin (62 Prozent) und Umwelt (43 Prozent) erfreuen sich des größten Interesses bei den wissenschaftlichen Themen, das geringste verbucht Telekommunikation (11 Prozent).

Das Fernsehen (61 Prozent) ist die allgemein am meisten verbreitete Quelle für wissenschaftliche Themen. In Ländern dagegen mit starker Verbreitung des Internets ist dieses immer mehr der Kanal für Neuigkeiten aus der Wissenschaft: Niederlande (88 Prozent), Dänemark (84 Prozent), Schweden (83 Prozent), Finnland (75 Prozent).

Bei den EU-Bürgern genießt das Fernsehen (68 Prozent) das größte Vertrauen als Nachrichten- und Informationsträger. Es folgen die Zeitungen (41 Prozent), das Internet (23 Prozent) und Journale (21 Prozent).

Müssen wir die Europäer zur Debatte tragen?

Februar 9th, 2010 by Wolfgang Goede

“When it comes to participation in tackling scientific issues, Europeans seem to have a rather passive and/or modest attitude. Two thirds of the EU population is of the opinion that participation in a debate about a scientific topic they are interested in should be
restricted to scientists and other experts as they are the best placed to exchange their views on the matter (65%). Only 16% declared they were willing to take part in such a debate themselves as they believe they can bring something to it.”

Quelle: Eurobarometer der European Commission

Danke Hajo Neubert!

Journalisten, wichtiger denn je: Kontrolleure der Macht!

Januar 30th, 2010 by Wolfgang Goede

Mit Bekenntnissen zu einem unabhängigen und vom Staat unabhängigen Journalismus hat in Dortmund ein Kongress über die Zukunft des Lokaljournalismus im Internet-Zeitalter begonnen. Veranstalter sind die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und die WAZ Mediengruppe. Der Präsident der Bundeszentrale, Thomas Krüger, appellierte an die Verleger, den Zeitungen durch Sparmaßnahmen nicht “ihre wichtigste Grundlage” zu entziehen.
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Debatten machen Bürger und Forscher zu Partnern

Januar 25th, 2010 by Wolfgang Goede

Die TELI ist mit ihrer Wissenschaftsdebatte in guter Gesellschaft. In diesem Jahr wird der Bonner Wissenschaftsladen WILA das EU-Projekt PERARES starten. „Public Engagement in Research and Research Engagement with Society“ will Forscher und Organisationen der Zivilgesellschaft zusammenbringen, um gemeinsam Fragestellungen für die europaweite Forschung zu erarbeiten. Read the rest of this entry »

Wie schlecht darf ein Journalist sein?
Was macht Qualität aus? Zählt Sorgfalt noch?

Januar 24th, 2010 by Axel Fischer

Das Image unseres Berufsbildes hat auch etwas mit dem zu tun, was wir transportieren. Wenn sich sogar ein Chefredakteur öffentlich mit der Vergrößerung des eigenen Penis herumschlägt oder für das ZDF Luxusreisen unternimmt, trägt das nicht gerade zur Mehrung des Ansehens unseres Berufsstandes bei, das wissen wir alle.

SZ und Kohlendioxid

SZ und Kohlendioxid,
ein Beispiel von vielen

Aber sind es nicht auch die vielen kleinen Fehler in den Artikeln, die dem Leser schon bei minimaler naturwissen-schaftlicher Schulbildung aufstoßen? Sind Journalisten zu arrogant geworden, dass sie glauben, von allem etwas zu verstehen? Wenn etwa der SZ-Architekturkritiker sich völlig unbeleckt von jeder Sachkenntnis unter dem Titel “Abgespeist” episch über Molekularküche und Fastfood verbreitert? Die Kritik dazu erreicht leider nur wenige Leser. Feuilleton-Journalisten fehlt oft jegliches Unrechtsbewusstsein, wenn das Thema in Richtung Naturwissenschaft geht, Beispiele dafür gibt es genug. Leider merken es die Leser meistens gar nicht, nicht einmal in der Politik - wie etwa den Unsinn, den viele Medien berichteten, nachdem die Vertretung Massachusetts im Senat an die Republikaner fiel (und damit keineswegs die Mehrheit der Demokraten im Senat verloren ging).

Der Relativsatz im ZitatAber auch in den Nachrichtenteilen stolpert man von Fehler zu Fehler, auch und gerade in der SZ. Rechtschreibfehler, Übersetzungsfehler, schlechte Recherche. Ist es der Zeitdruck, der diese Art von Journalismus produziert und protegiert? Als freier Autor bekomme ich heute immer weniger Zeilenhonorar, von Recherche-kosten ganz zu schweigen. Meine Arbeit ist vielen Redaktionen nichts mehr wert. Die Seiten füllen sie selbst, aber womit nur? Manchmal denke ich mir, am Niedergang der Zeitungen sind die Zeitungen zu allererst selbst schuld, weil sie inhaltlich in der Beliebigkeit der Masse versinken und formal von einer peinlichen Schlamperei zur anderen rutschen.

Oder von einer Hysterie zur nächsten: Was war das denn mit der Schweinegrippe? Da wurde jeder einzelne Todesfall über Tage gemeldet - und gleichzeitig die Impfung dagegen schlecht geredet. Wie relevant war denn das alles? Da bestellt die Regierung aufgrund der Hysterie massenweise Impfdosen und wundert sich dann, dass sie darauf sitzen bleibt? Dabei haben wir uns doch immer gefragt, warum über die zehntausend Toten der “normalen” saisonalen Grippe im Vergleich dazu so wenig berichtet wurde und wird?

Journalismus hat nur eine Chance zu überleben, wenn das Produkt etwas taugt. Und das Bewusstsein des Verbrauchers gestärkt wird, auf Qualität zu achten. Beim Essen wird großes Geschrei darum gemacht, da wird vor lauter Qualitätsduselei manches Bio-Produkt völlig überhöht, auch was den Preis betrifft. Aber kommt irgendwann auch der Bio-Journalismus? Zuerst als Exot in den Bioladen, dann Mainstream bei den journalistischen Aldis?

Englische Presseschau deutscher Wissenschaftsmedien

Januar 20th, 2010 by Alex Gerber
Screenshot

Screenshot

Sozusagen als “Peer reviewing within Science Journalism” gibt es jetzt eine englischsprachige Presseschau deutscher Wissenschaftsmedien, verfasst von Sascha Karberg im Rahmen des “Knight Science Journalism Tracker” am MIT. Dipl.-Biologe Karberg ist selbst freier Wissenschaftsjournalist und -blogger im Berliner Journalistenbüro “Schnittstelle“.
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Der Mensch, nicht mehr als ein Datensatz? - Debatte!

Januar 16th, 2010 by Wolfgang Goede

“Die Medienkrise fuehrt zu erstaunlichen Entwicklungen”, schreibt Walt, der unabhängige, kritische Medienbeobachter. “Gestern durfte der Pressesprecher des Chaos Computer Clubs, Frank Rieger, den Leitartikel des Feuilletons der Frankfurter Allgemeinen Zeitung FAZ schreiben.” Titel: Ein Echtzeit-Experiment - Der Mensch wird zum Datensatz.

Eine Revolution! Das muss an sich mal vorstellen, schreibt Walt weiter: “Die jahrzehntelang geaechteten und ignorierten Mahner eines verantwortungsvollen Umgangs mit neuen Technologien, diese Bad-Boys bekommen ploetzlich von einer der groessten erzkonservativen Tageszeitungen Deutschlands eine komplette Seite fuer eines ihrer Herzthemen zur Verfuegung gestellt.” Oberhammer!

Der Autor weiter: “Ich finde das aeusserst beachtlich, denn es zeigt, dass FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher offenbar eine Linie verfolgt, die er mit seinem Buch PAYBACK begonnen hat: eine gesellschaftlich aeusserst komplexe, aber wichtige Debatte breit aufzustellen.”

“Weiter so”, schließt Walt, “ich will mehr davon!” — wir auch.